Silbermünzen aus verschiedenen Ländern

Nachfrage aus China und von Indexfonds treibt die Preise. Als Zuflucht eignet sich das Edelmetall gleichwohl nicht

Bei Silber zeichnet sich ein Ende des "Bärenmarkts" ab. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Bloomberg unter elf Analysten. Danach wird im dritten Quartal ein durchschnittlicher Silberpreis von 38 Dollar je Unze (31,1 Gramm) erwartet und dann ein Anstieg bis auf das Rekordhoch von 42 Dollar in den letzten Monaten des Jahres 2012. Am Freitag lag der Kassapreis für die Unze Silber bei 31,29 Dollar.

China, unter den Schwellenländern der größte Verbrauer von Silber für industrielle Zwecke, dürfte die Nachfrage anschieben, denn die Wirtschaft wächst fünfmal so schnell, we in den USA. Silber wird für Solaranlagen und Filme ebenso verwendet wie für Schmuck und Münzen. Nachfrage dürfte auch von Investoren kommen, die nach einer Alternative zu Bargeld oder Gold suchen. Gold kostet derzeit 50mal mehr als Silber.

"Der Preis sieht jetzt recht günstig aus, im Vergleich zu vor nicht allzu langer Zeit", sagt David Wilson, Analyst bei Société Générale in London. Bloomberg-Daten zufolge stellte Wilson in den zwei Jahren bis Ende Juni die genauesten Prognosen zum Silberpreis. Der häufigste Kontrakt zum Optionsmarkt ist die Kaufoption zu 50 Dollar bis November, wie Daten den New York Comex zeigen. Investoren haben Ihre Wetten auf einen Anstieg des Silberpreises in der Woche bis zum 11. Oktober erstmals seit über einen Monat erhöht. Daten der Commodity Future Trading Commission zufolge stiegen die Netto-Kauf-Positionen um 1,3 Prozent.

Die Entwicklung des Silberpreises war bislang recht volatil (Die Grafik). Innerhalb der letzten 12 Monate bewegte sich der Preis zwischen Verlusten von 3,2 Prozent bis zu Gewinnen von 103 Prozent. Im April erreichte Silber mit 49,845 Dollar je Unze den höchsten Preis seit 31 Jahren. Danach sank der Preis bis zu 48 Prozent ab. In den letzten 12 Monaten verteuerte sich Silber um 29 Prozent - mehr als jedes andere Edelmetall. Zum Vergleich: Der Goldpreis stieg um 21 Prozent, das Aktienbarometer MSCI World verlor 6 Prozent und US-Staatsanleihen brachten 4,8 Prozent ein, wie Indizies von Bank of America zeigen.

Die Silbernachfrage aus der Industrie und für Münzen ist während der Rezession 2009 um fast elf Prozent zurückgegangen, schätzt die US-Bank Morgen Stanley. Gleichwohl stieg der Silberpreis um 49 Prozent, weil die Nachfrage von Anlegern gestützt wurde, die in börsengehandelte Silberprodukte wie Indexfonds (ETFs) investierten.

Doch gibt es auch Stimmen, die vor allzu großem Optimismus warnen. So stiegen zwar laut Bloomberg-Daten die gesamten Silberbestände der EFTs seit Mitte Juli um 4,8 Prozent auf 17515 Tonnen. Das entspricht der Minenproduktion von fast neun Monaten. Doch um den bestehenden Silberberg abzubauen, dürfte das nicht ausreichen. Das weltweite Angebot an Silber übersteigt die Nachfrage (ohne Investments) seit 2008, und dieser sogenannte fundamentale Überschuss wird bis mindestens 2016 bestehen bleiben, erwartet Morgan Stanley. Nach Schätzungen der Bank nimmt die Produktion der Silberminen dieses Jahr um 1,4 Prozent zu und steigt 2012 um 4,5 Prozent. "Die Fundamentaldaten sehen immer noch ziemlich schwach aus", sagt Suki Cooper, Rohstoffanalystin bei Barclays Capital in New York. Sie rechnet mit einem Silberpreis von durchschnittlich 27 Dollar im vierten Quartal 2012. Silber dürfte auch kein "sicherer Hafen" für Investoren sein, falls es wieder zu einer Rezession kommt. Der Preis rutschte 2008 um 24 Prozent ab, während sich Gold um 5,5 Prozent verteuerte.

Bislang werden die Investoren aber optimistischer. Nicht nur, dass sie ihr Kapital verstärkt in Silber-EFTs stecken, sie kaufen auch mehr Silbermünzen. So hat die US-Münzanstalt seit September American Eagles im Volumen von 4,46 Millionen Unzen Silber verkauft. So viel wie zuletzt im Januar.

Quelle: Financial Times Deutschland, Montag 24. Oktober 2011, Seite 21